Katholische Kirche St. Mechthild
(Magdeburg-Nord)

Milchweg 28
39128 Magdeburg

Chronik

Als ab Mitte der 1970-er Jahre im Norden der Stadt Magdeburg die Neubaugebiete Neustädter See, Kannenstieg und Neustädter Feld für insgesamt ca. 48.000 Menschen entstanden und hier auch etwa 1.400 Katholiken eine neue Wohnung fanden, wuchs unter diesen der verständliche Wunsch nach einer eigenen Kirche. Das Sonderbauprogramm der DDR ermöglichte es dem damaligen Bischof Johannes Braun mit Hilfe des Bonifatiuswerkes in Paderborn, diesen Wunsch der Katholiken zu erfüllen und die pastorale Arbeit vor entsprechend vorzubereiten.

Hierzu einige Daten:

1975 Einsatz eines Ständigen Diakons (Richard Schelenz) für die Seelsorge in den Neubaugebieten
1978 Beginn der Erschließungsarbeiten für das neue Gemeindezentrum in zentraler Lage am Schnittpunkt der drei Neubaugebiete
Januar 1982 Erhebung zur selbständigen Pfarrvikarie, Einzug des ersten Pfarrers (Josef Kuschel) in das fertiggestellte Pfarrhaus - Beginn des Gemeindelebens auf dem Pfarrgrundstück und im Kellergeschoss des Pfarrhauses
März 1982 1. Gottesdienst im Keller des Pfarrhauses
1982 Beginn der ökumenischen Zusammenarbeit mit der benachbarten evangelischen Hoffnungsgemeinde, deren Kirche ebenfalls im Bau war
16.09.1984 Kirchweihe und Einweihung des Gemeindezentrums durch Bischof Johannes Braun
Juli 1990 Pfarrer Kuschel verlässt die Gemeinde und wird Propst von St. Sebastian in Magdeburg
August 1990 Pfarrer Gerald Sommer wird neuer Pfarrer von St. Mechthild
07.04.1991 Erhebung zur Pfarrei
September 1992 Drei Don-Bosco-Schwestern kommen nach Magdeburg um offene Jugendarbeit in Magdeburg-Nord aufzubauen
September 1993 Eröffnung des Kinder- und Jugendzentrum Don Bosco in den Kellerräumen des Gemeindezentrums
Dezember 2001 Pfarrer Sommer wechselt nach Sangerhausen, Pfarrer Weise als Pfarrer von St. Agnes wird als Pfarradministrator für St. Mechthild zuständig
06.06.2005 Der bisherige Generalvikar Reinhold Pfafferodt wird zum August 2005 zum designierten Gemeindeverbundsleiter für den zu errichtenden Gemeindeverbundes Magdeburg-Nord ernannt
Juli 2005 Pfarrer Weise wechselt nach Bitterfeld
01.03.2006 Errichtung des Gemeindeverbundes Magdeburg-Nord mit den drei Gemeinden St. Agnes, St. Josef und St. Mechthild durch Bischof Gerhard Feige
01.08.2010 Dompropst Pfarrer Reinhold Pfafferodt wird Pfarrer der Kathedralpfarrei St. Sebastian in Magdeburg; sein Nachfolger und zukünftiger Pfarrer unserer neuen Pfarrei "St. Johannes Bosco" wird Vikar Matthias Hamann
28.11.2010 Errichtung der neuen Pfarrei "St. Johannes Bosco" aus den ehemals eigenständigen Pfarreien St. Agnes, St. Josef und St. Mechthild

Kirche

Die St.-Mechthild-Kirche ist in ihrer Architektur als Gemeindezentrum auf Einladung nach außen und als Kirche in ihrer schönen Schlichtheit nach innen als Raum der Besinnung, der Stille gebaut. Eine Stille, die das Leben im Gemeindezentrum aber gut aufnehmen kann. In den unterkellerten Räumen des Gemeindezentrums befindet sich das "Don Bosco Zentrum". Kinder und Jugendliche, die meisten ohne Konfession, haben hier ihr "Zuhause" gefunden. Don Bosco Schwestern leiten dieses vielbesuchte Zentrum. Darüber ist die Gemeinde sehr froh.

Die Innengestaltung der Kirche

Die großen Altarfenster im Inneren der Kirche: "Das himmlische Jerusalem" und "Brennender Dornbusch" sind nach dem Entwurf von Christof Grüger aus Schönebeck ausgeführt. Altar, Altarraumgestaltung, Tabernakel, Apostelleuchter und Reliefs an der Orgelempore "Aus dem Leben der heiligen Mechthild von Magdeburg" hat Jürgen Suberg aus Olsberg entworfen und in Bronze realisiert. Die rechte Seite des Seitenfensters kann den Betrachter ebenfalls an "Das Fließende Licht der Gottheit" erinnern - das Werk, in dem die Mytikerin Mechthild von Magdeburg uns ihre Erfahrungen hinterlassen hat.

Schutzpatron

Patronin der Kirche ist die Selige Mechthild von Magdeburg (Mystikerin und Begine 1207/10 bis 1282/94)

Mechthild von Magdeburg entstammte höchstwahrscheinlich einer ritterlichen Burggrafenfamilie in der Erzdiözese Magdeburg. Genaue Lebensdaten sind nicht bekannt. Mit ihrem jüngeren Bruder Balduin - später Subprior im Dominikanerkloster zu Halle - wuchs sie unter den Eindrücken des Ritter- und Hoflebens auf und erhielt eine sorgfältige höfische/weltliche Bildung. Sie war sehr naturverbunden und "ihren Verwandten und Freunden immer die Liebste". Mit zwölf Jahren erfuhr sie ein unfassbares persönliches Gnadenerlebnis ("einen Gruß des Heiligen Geistes"), das sich täglich wiederholte und zu einer radikalen Wende ihres Lebens führte - zu einem Leben, völlig von Gott in Besitz genommen. Sie verließ mit ca. 20 Jahren Familie und Heimat, um in der fremden Stadt Magdeburg ein einfaches Leben als Begine zu führen.

Mechthild lebte zunächst als unbekannte Begine in Magdeburg. Sie lernte die Gemeinschaft der Beginen kennen und suchte wie diese geistliche Leitung und Führung durch die Dominikaner (Predigerorden), die seit 1224 in Magdeburg lebten und predigten. Ihre mystischen Erlebnisse, Erfahrungen und Visionen begleiteten sie über Jahrzehnte. Im Jahre 1250 begann sie auf Anraten ihres Beichtvaters, dem Dominikaner Heinrich von Halle, ihre geistlichen Erlebnisse und Erfahrungen aufzuschreiben. Mechthild benutzte dazu die ausdrucksstarke Sprache mittelalterlicher Liebesmystik. Da sie des Lateins unkundig war, tat sie dies in der damaligen mittelniederdeutschen Sprache und sorgte damit auch für viele neue Wortschöpfungen. Sie nannte ihre Schrift "Das fließende Licht der Gottheit". Heinrich von Halle stellte daraus sechs Bücher zusammen. Mechthild wurde bekannt.

Die Art des Buches, das sie "als Bote allen geistlichen Leuten" sandte, der Wahrheitsanspruch, den sie damit erhob und die darin enthaltene zum Teil sehr scharfe Kritik an der Verweltlichung und der Lebensführung des Klerus, des Adels und der Laien setzten sie massiven Anfeindungen - insbesondere durch den Klerus - aus. Trotz wohlmeinender Freunde, denen sie Ratgeberin war, kam es zu scharfen Auseinandersetzungen innerhalb und mit der Magdeburger geistlichen Obrigkeit. Dazu kamen ein europaweiter Streit um die Beginen und um 1260/61 ein Beschluss der Magdeburger Provinzialsynode gegen die Beginen.

Gesundheitlich geschwächt und zermürbt durch die jahrelangen Anfeindungen, ihre strenge Askese, die jahrzehntelange "Gewalt der Minne und viele natürliche Krankheiten", verließ Mechthild etwas um 1270/71 oder später Magdeburg und ging in das weit über das Erzbistum Magdeburg hinaus bekannte Kloster Helfta, unweit der Lutherstadt Eisleben.

In dem von der Äbtissin Gertrud von Hakeborn geleiteten und in hoher wissenschaftlicher Blüte stehendem Kloster Helfta lernte Mechthild die spätere Gertrud die Große, damals etwas 14 Jahre alt, und Mechthild von Hakeborn, damals etwa 30 Jahre alt, kennen. Mit ihrem geistlichen Erfahrungsschatz und ihren Schriften (in Helfta entstand das 7. Buch des "Fließenden Licht der Gottheit") wurde sie auch Lehrerin dieser zwei Frauen und prägte stark deren spätere Schriften und damit die "Helftaer Mystik".

Mechthild starb schwer erkrankt und erblindet, hochverehrt von den Schwestern des Konventes, im Rufe der Heiligkeit etwas 1282/84, manche Forschungen geben 1294 an.

Ihren Gedenktag feiert man im Bistum Magdeburg am 16.09., im römischen Kalender am 15.08.

Veröffentlichungen der Pfarrei zu Mechthild von Magdeburg und zur Kirche:

Heft Mechthild von Magdeburg 09-2016 neu.pdf

Einlageblatt Kurzbiografie - geschichtliche Daten Magdeburgs.pdf

Informationen zu Kirchen und Gemeindezentrum 09-2016.pdf

St. Mechthild-Lied.pdf



Zudem kann das Mechthild-Buch von Frau Hiltrud Bleier: Mechthild von Magdeburg - Versuch eines Lebenbildes - "Die Wahrheit kann niemand verbrennen" (Umfang 94 Seiten) über die Pfarrei St. Johannes Bosco für eine Spende von 7,50 € / Stück zuzüglich Porto erworben werden.

Inhaltsverzeichnis des Buches "Die Wahrheit kann niemand verbrennen"